Urlaub für uns – und für unser Tier?

Verantwortung macht keine Pause!

Wochenendausflug oder Urlaub geplant, aber wer kümmert sich um Hund oder Katze?

Für uns Menschen ist Urlaub etwas Schönes. Wir freuen uns auf Erholung, neue Eindrücke und eine Auszeit vom Alltag. Doch während wir unsere Reise planen, gerät oft ein wichtiger Gedanke in den Hintergrund: Was bedeutet diese Zeit eigentlich für unsere Tiere, wie geht es Ihnen?

Hund oder Katze sind keine Gegenstände, die man für die Dauer des Urlaubs einfach „unterbringen“ kann. Sie sind Familienmitglieder mit Gefühlen, Gewohnheiten und engen Bindungen zu ihren Bezugspersonen. Gerade deshalb sollte die Urlaubsbetreuung genauso sorgfältig geplant werden wie die Reise selbst.

Tiere verstehen unseren Urlaub nicht

Wir wissen, dass wir nach einer oder zwei Wochen wieder nach Hause kommen. Unser Tier weiß das nicht.

Aus seiner Sicht verschwindet seine Familie plötzlich. Die vertrauten Menschen sind weg, der gewohnte Tagesablauf verändert sich und oft kommt noch eine völlig neue Umgebung hinzu. Viele Tiere empfinden diese Situation als Stress oder sogar als Verlust ihrer Bezugspersonen.

Natürlich reagieren nicht alle Tiere gleich. Manche wirken äußerlich gelassen, andere zeigen deutlich, dass sie unter der Trennung leiden. Dass ein Tier frisst oder sich ruhig verhält, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es die Situation unbeschwert erlebt.

Kater Tomi adoptieren

„Für uns ist es Urlaub – für unser Tier ist es der Verlust seiner Familie. Sein Zuhause, seine Gerüche, seine Routine – das ist seine ganze Welt. Wer das versteht, plant den eigenen Urlaub nie ohne den Blick auf sein Tier."

Laura Rauch Peña, 2. Vorsitzende Tierhilfe München e.V.

Katze Ella adoptieren

Ein Einsatz, der nachdenklich macht

Heute hatten wir einen Einsatz, der mich sehr beschäftigt und der mich in meiner Haltung einmal mehr bestätigt hat.

Die Besitzerin einer älteren Katze war im Urlaub. Die Versorgung hatte ein Arbeitskollege übernommen, der sich zwar Mühe gab, aber nur wenig Erfahrung mit Katzen hatte.

Die Katze leidet an einer Herzerkrankung und ist auf ihre Medikamente angewiesen. Täglich müssen Herztabletten und Entwässerungstabletten verabreicht werden. Doch genau das funktionierte während der Urlaubsbetreuung nicht zuverlässig, die Katze ließ sich die Tabletten nicht eingeben.

Als wir verständigt wurden, zeigte sie bereits eine deutliche Bauchatmung; ein ernstes Warnzeichen. Der Verdacht lag nahe, dass sich aufgrund der fehlenden oder unzureichenden Medikation bereits Flüssigkeit in der Lunge angesammelt hatte. Für herzkranke Katzen ist das ein lebensbedrohlicher Zustand, der sofort tierärztlich behandelt werden muss.

Dieser Einsatz hat mich tief bewegt. Ich habe mich gefragt, wie man unbeschwert in den Urlaub fahren kann, wenn man weiß, dass das eigene Tier schwer krank ist und täglich lebenswichtige Medikamente benötigt.

Mir ist bewusst, dass jeder Mensch Erholung braucht und dass Reisen zum Leben dazugehören. Doch wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung, und diese Verantwortung endet nicht am Schalter des Flughafens, wenn wir in den Urlaub fahren. Gerade ältere, chronisch kranke oder ängstlich sensible Tiere brauchen Menschen, die ihre Bedürfnisse kennen, Veränderungen sofort bemerken und im Ernstfall richtig handeln können.

Katzen sind besonders ortsgebunden

Katzen sind nicht nur an ihre Menschen gebunden, sondern vor allem an ihr Revier. Ihr Zuhause gibt ihnen Sicherheit. Dort kennen sie jeden Geruch, jeden Rückzugsort und ihre tägliche Routine.

Deshalb sind wir der Auffassung, dass Katzen während eines Urlaubs möglichst in ihrer vertrauten Umgebung bleiben sollten.

Eine Tierpension bedeutet für viele Katzen erheblichen Stress: Fremde Gerüche, unbekannte Menschen, andere Katzen, ungewohnte Geräusche und ein völlig neues Umfeld.

Viele Katzen reagieren darauf mit Angst, Rückzug oder Appetitlosigkeit. Manche verstecken sich tagelang, andere entwickeln gesundheitliche Probleme, weil Stress das Immunsystem belastet und es wird oft von den Betreuenden Personen nicht erkannt.

Ein kurzer Besuch am Tag reicht oft nicht aus

Ebenso kritisch sehen wir es, wenn Wohnungskatzen während eines Urlaubs oder eins mehrtägigen Ausflugs lediglich einmal täglich versorgt werden.

Ja, Futter und Wasser können aufgefüllt werden. Das Katzenklo kann gereinigt werden. Aber Katzen brauchen mehr als reine Versorgung.

Sie brauchen: Ansprache, Beschäftigung, soziale Nähe, Sicherheit, und jemanden, der bemerkt, wenn etwas nicht stimmt.

Werden Katzen 23 Stunden oder länger täglich allein in der Wohnung gelassen, fehlt ihnen all das. Kommt es in dieser Zeit zu einer Erkrankung oder einem Notfall, bleibt dies möglicherweise viele Stunden unbemerkt.

Auch zwei Katzen ersetzen die tägliche Betreuung durch einen Menschen nicht. Sie können sich gegenseitig Gesellschaft leisten, aber sie können sich weder medizinisch helfen noch erkennen, wenn mit der anderen Katze etwas nicht stimmt.

Und wie sieht es bei Hunden aus?

Hunde unterscheiden sich in vielen Punkten von Katzen. Für sie steht häufig die Bindung zum Menschen an erster Stelle.

Auch deshalb kann eine Tierpension für manche Hunde eine große Belastung sein. Sie verlieren nicht nur ihre Bezugspersonen, sondern müssen sich gleichzeitig an fremde Menschen, andere Hunde, neue Regeln und eine ungewohnte Umgebung anpassen.

Einige Hunde kommen damit gut zurecht, andere zeigen Stress, Unsicherheit oder Trauer. Besonders sensible oder ältere Hunde leiden oft deutlich unter der Trennung.

Welche Betreuung ist aus unserer
Sicht die Beste?

Die beste Lösung ist immer diejenige, die dem Tier möglichst viel Vertrautheit erhält.

Ideal ist es, wenn Familienmitglieder oder Freunde die Betreuung übernehmen, wenn eine vertraute Person während der Abwesenheit im Zuhause des Tieres wohnt oder einen Großteil des Tages dort verbringt, oder wenn das Tier bei Menschen untergebracht wird, die es bereits kennt und zu denen eine enge Bindung besteht.

Gerade bei kranken oder älteren Tieren reicht es aus unserer Sicht nicht aus, wenn lediglich einmal täglich jemand zum Füttern vorbeikommt. Hier braucht es Menschen mit Erfahrung, die Medikamente zuverlässig verabreichen können, Veränderungen im Verhalten erkennen und im Notfall sofort handeln.

Verantwortung endet nicht mit der Urlaubsplanung

Wer ein Tier adoptiert oder anschafft, übernimmt Verantwortung – nicht nur für den Alltag, sondern auch für Urlaubszeiten, Krankheit oder andere Situationen, in denen man selbst verhindert ist.

Deshalb sollte bereits vor der Adoption überlegt werden: Wer kümmert sich um mein Tier, wenn ich verreise?

Nicht jeder hat Familie oder Freunde in der Nähe. Dann lohnt es sich, frühzeitig ein zuverlässiges Netzwerk aufzubauen oder eine feste Betreuungsperson zu suchen, die das Tier regelmäßig kennenlernt.

Ein Futterautomat ersetzt keinen Menschen

Immer wieder hören wir Aussagen wie: „Ich stelle meinen Katzen einen Futterautomaten hin und fahre übers Wochenende weg. Das klappt doch problemlos.“

Diese Einstellung macht uns als Tierschutzverein traurig. Ein Futterautomat kann Futter ausgeben – mehr aber auch nicht. Er erkennt nicht, ob eine Katze krank ist, Schmerzen hat, sich verletzt hat oder Hilfe benötigt. Er bemerkt nicht, wenn eine Katze ihr Futter verweigert, erbricht oder plötzlich Atemnot entwickelt. Und er kann einer Katze weder Zuwendung noch Sicherheit geben.

Ein Tier ist ein fühlendes Lebewesen und kein Selbstversorger, den man für ein Wochenende sich selbst überlassen kann. Wer glaubt, dass ein Futterautomat die Verantwortung für ein Tier ersetzt, unterschätzt die Bedürfnisse einer Katze erheblich.

Deshalb möchten wir alle Menschen dazu ermutigen, sich bereits vor der Anschaffung eines Tieres ehrlich zu fragen: Kann und möchte ich diese Verantwortung auch an Wochenenden, im Urlaub und über viele Jahre hinweg übernehmen?

Was wir empfehlen

Urlaub ist wichtig und Erholung gehört zum Leben. Doch unsere Tiere sind vollständig von uns abhängig. Sie können sich ihre Betreuung nicht aussuchen und sie verstehen auch nicht, warum ihre Familie plötzlich verschwindet.

Besonders wenn ein Tier alt oder krank ist, sollte sein Wohl immer an erster Stelle stehen. Vielleicht bedeutet das, den Urlaub zu verschieben, eine Betreuung zu organisieren, die rund um die Uhr bei dem Tier bleibt, oder auf eine Reise zu verzichten. Das mag unbequem sein – doch genau darin zeigt sich Verantwortung.

Ein Tier ist kein Hobby für die schönen Tage, sondern ein Familienmitglied. Wer sich für ein Tier entscheidet, entscheidet sich auch dafür, in schwierigen Momenten seine Bedürfnisse über die eigenen Wünsche zu stellen.